Garagenverordnung: Was Baurecht, Technik und Betrieb regeln
- Kernzahl / Spanne
- Kleingarage bis 100 m² — Mittelgarage über 100 m² bis 1.000 m² — Großgarage über 1.000 m² (§ 2 Abs. 8 M-GarStVO)
- Quelle
- ARGEBAU M-GarStVO, 04.09.2020
- Stichtag
- 2026-08-22
- Einschränkung
- Die Klassenschwellen der Musterverordnung gelten nur soweit das jeweilige Bundesland sie in sein Landesrecht übernommen hat; maßgeblich ist stets das Recht des zuständigen Landes.
- Nächster Schritt
- Verfahrensfrage (LBO) im Genehmigungsatlas unter /genehmigung klären; technische Maßanforderungen bei einem Fachplaner oder der Bauaufsicht erfragen.
Rund um den Garagenbau gelten zwei Regelungsebenen, die streng auseinanderzuhalten sind. Die Landesbauordnung (LBO) beantwortet die Frage, ob und in welchem Verfahren ein Vorhaben überhaupt zulässig ist. Die Garagen- und Stellplatzverordnungen der Länder (GarVO, GaStellV oder ähnliche Bezeichnungen) regeln dagegen, wie eine Garage gebaut und betrieben werden muss — also die technischen und sicherheitsrelevanten Anforderungen. Wer plant, muss beide Ebenen kennen; eine Verwechslung führt zu falschen Schlüssen.
Zwei Regelungsebenen: LBO und GarVO/GaStellV
Die Landesbauordnung (LBO) des jeweiligen Bundeslandes entscheidet ausschließlich über die bauplanungs- und bauordnungsrechtliche Zulässigkeit: Ist das Vorhaben an diesem Standort erlaubt? Ist es verfahrensfrei oder brauche ich eine Baugenehmigung? Diese Fragen beantwortet nicht die Garagenverordnung, sondern die LBO. Jedes der 16 Bundesländer hat seine eigene LBO — der Genehmigungsatlas führt die Schwellenwerte je Land mit Normzitat und Sicherheitsgrad; die Landesseiten verlinken auf das amtliche Recht.
Die Garagen- und Stellplatzverordnungen (je nach Land GarVO, GaStellV, GarStellV o. Ä.) regeln die technische Ausführung und den sicheren Betrieb. Sie beantworten Fragen wie: Wie breit muss eine Stellplatzbox sein? Was gilt für Lüftung und Brandschutz? Diese technischen Anforderungen gelten unabhängig davon, ob die Garage genehmigungspflichtig ist oder nicht — auch eine verfahrensfreie Garage muss die GarVO des Landes einhalten.
Klasseneinteilung nach ARGEBAU Musterverordnung
Die ARGEBAU-Fachkommission Bauaufsicht hat am 04.09.2020 die Muster-Garagen- und Stellplatzverordnung (M-GarStVO) verabschiedet. Sie dient den Ländern als Orientierung, ist selbst aber kein verbindliches Landesrecht. § 2 Abs. 8 M-GarStVO unterscheidet drei Klassen nach der Nutzfläche: Kleingaragen bis einschließlich 100 m², Mittelgaragen mit mehr als 100 m² bis einschließlich 1.000 m² sowie Großgaragen mit mehr als 1.000 m² Nutzfläche. Von der Klasse hängt ab, welche Anforderungen an Lüftung, Brandschutz und Rettungswege gelten.
Für private Einzelgaragen auf Wohngrundstücken ist die Kleingaragenklasse (bis 100 m²) regelmäßig einschlägig. Doppelgaragen und kleine Reihengaragenanlangen bleiben häufig ebenfalls darunter. Ob das jeweilige Landesrecht die M-GarStVO-Klassen 1:1 übernommen hat, ist für jedes Land zu prüfen — wir kennzeichnen den Übernahmestand je Landesseite.
Stellplatzmaße: Modell der M-GarStVO
§ 5 Abs. 1 M-GarStVO enthält Mindestmaße ausschließlich als Musterregelung — sie sind keine bundesweit bindenden Vorschriften. Für Stellplätze ohne seitliche Einschränkungen sieht das Modell eine Mindestlänge von 5,00 m vor. Die Mindestbreite beträgt 2,30 m bei freistehenden Stellplätzen, 2,40 m wenn auf einer Seite eine Wand oder ein anderes Hindernis vorhanden ist, und 2,50 m bei beidseitiger Einschränkung. Für Stellplätze, die für Fahrzeuge von Menschen mit Behinderungen vorgesehen sind, nennt das Modell eine Breite von mindestens 3,50 m.
Achtung: Diese Werte gelten nur, soweit das zuständige Bundesland die Musterregelung inhaltsgleich übernommen hat. Maßgeblich ist ausschließlich das jeweilige Landesrecht. Für Bayern, NRW und Baden-Württemberg stehen unten eigene Quellenhinweise; für alle weiteren Länder verweisen wir auf die jeweilige Landesseite im Genehmigungsatlas.
Bayern, NRW und Baden-Württemberg: Eigene Regelwerke
Bayern hat eine eigenständige Garagen- und Stellplatzverordnung (BayGaV). Gemäß § 1 Abs. 7 BayGaV in der Fassung ab 01.10.2025 gelten besondere Anforderungen für Garagen bestimmter Klassen; das genaue Datum markiert eine Änderungsrunde, die Planern und Bauherren bekannt sein sollte. Die amtliche Quelle ist über das bayerische Landesrecht abrufbar (siehe Quellenverzeichnis unten).
In Nordrhein-Westfalen ergibt sich aus § 122 Abs. 1 der einschlägigen Verordnung über Bau und Betrieb von Sonderbauten (SBauVO NRW) die Grundlage für Garagen- und Stellplatzanforderungen; die Verordnung ist als amtliches PDF über das Landesrecht NRW veröffentlicht. Baden-Württemberg stützt sich auf die GaVO BW; eine redaktionell aufbereitete Zusammenstellung hat die Architektenkammer BW am 28.06.2025 veröffentlicht. Für alle anderen Bundesländer gilt: siehe Landesrecht — die Genehmigungsatlas-Landesseiten verlinken je auf die amtliche Fundstelle.
Lüftung und Brandschutz: Grundprinzipien
Garagen müssen nach den Landes-GarVO ausreichend belüftet sein. Die Art der erforderlichen Lüftung — natürlich oder mechanisch — richtet sich nach der Garagenklasse und den Regelungen des jeweiligen Landesrechts; konkrete Flächenverhältnisse oder technische Kennwerte enthält nur das maßgebliche Landesrecht und sollten mit einem Fachplaner abgestimmt werden.
Beim Brandschutz unterscheiden die Verordnungen ebenfalls nach Garagenklasse: Die Anforderungen steigen von der Kleingaragenklasse (bis 100 m² nach M-GarStVO) über Mittelgaragen bis hin zu Großgaragen (über 1.000 m² nach M-GarStVO) erheblich. Welche konkreten Maßnahmen im Einzelfall verlangt werden, ergibt sich ausschließlich aus dem einschlägigen Landesrecht. Für die Planung gilt: Die LBO klärt Zulässigkeit und Verfahren; Lüftungs- und Brandschutzanforderungen der GarVO klären Fachplaner (Brandschutzingenieur, Haustechnikplaner).
Wegweiser: Wo finde ich was?
Verfahrensfreiheit und Genehmigungspflicht je Bundesland: Genehmigungsatlas-Übersicht unter /genehmigung — dort alle 16 Landesseiten mit Normzitat und Sicherheitsgrad. Grenzbebauung, Abstandsflächen, Außenbereich, Schwarzbau und Bauantrag: jeweils eigene Themenseiten unter /genehmigung. Technische Maße für konkrete Planungsvorhaben: /ratgeber/garagen-masse.
Die verfahrensfreien Grenzen Ihres Bundeslands mit Normzitat und Änderungsprotokoll finden Sie im Genehmigungsatlas; ob Ihr Außenmaß die Grenze kippt, zeigt der Außenmaß-Warner.
Quellen und Normtexte
- ARGEBAU M-GarStVO (04.09.2020): § 2 Abs. 8 (Größenklassen), § 5 Abs. 1 (Stellplatzmaße) (amtliche Quelle, Abruf 2026-08-22)
- BayGaV Bayern § 1 Abs. 7, Fassung ab 01.10.2025 (Gesetze Bayern) (amtliche Quelle, Abruf 2026-08-22)
- SBauVO NRW § 122 Abs. 1 (amtliches PDF Landesrecht NRW) (amtliche Quelle, Abruf 2026-08-22)
- GaVO Baden-Württemberg — Merkblatt Architektenkammer BW, Zusammenstellung 28.06.2025 (Fachquelle, Abruf 2026-08-22)
Häufige Fragen
Was unterscheidet die Landesbauordnung von der Garagenverordnung?
Welche Größenklassen kennt die M-GarStVO?
Welche Stellplatzlänge sieht die Musterverordnung vor?
Wie breit muss ein Stellplatz nach der Musterverordnung sein?
Gilt die Musterverordnung direkt als Recht in meinem Bundesland?
Was regelt die GarVO zu Lüftung und Brandschutz?
Was gilt speziell in Bayern für Garagen?
Muss auch eine verfahrensfreie Garage die GarVO einhalten?
Allgemeine Rechtsinformation, keine Rechtsberatung im Sinne des RDG und keine Einzelfallbewertung. Verbindliche Auskünfte erteilt ausschließlich die für Ihr Grundstück zuständige untere Bauaufsichtsbehörde; maßgeblich ist allein der amtliche Text der jeweiligen Landesbauordnung.

